Die letzten Zeitzeugen

von Michael Handel

In 60 Jahren wird unsere Generation die letzte sein, die vom Mauerfall berichten kann. Doch man sollte uns nicht trauen. Der Psychologe Reinhard Beyer erklärt, warum.

Reinhard Beyer, Psychologe

Reinhard Beyer, Psychologe

Der Mauerfall ist 20 Jahre her. Welcher Jahrgang wird denn der letzte sein, der noch eigene Erinnerungen daran hat?
Die Erinnerungsleistung ist bei jedem Menschen unterschiedlich, aber drei, vier Jahre sind normalerweise der Bereich, in dem die ersten Erinnerungen gespeichert werden. Bezogen auf den Mauerfall sind es also die Jahrgänge ab 1986.

Wovon hängt es ab, ob man sich an den Mauerfall erinnert?
Entscheidend ist, welche Bedeutung das Ereignis für das eigene Leben hat. Für ein Kind in Berlin war der Mauerfall ein größerer Einschnitt als für ein Kind in Süddeutschland. Daher wird das Kind in Berlin auch mehr Erinnerungen daran haben. Allgemein gilt: Extrem emotionale Dinge, wie etwa der Mauerfall, werden besonders gut behalten, während neutrale Dinge eher vergessen werden.

In 50 Jahren wird unsere Generation die letzten Zeitzeugen stellen. Wie wird unser Bericht dann aussehen?
Im Laufe der Zeit vermischen sich eigene Erinnerungen und Erzählungen immer mehr. Und manches, was ich in Wirklichkeit nie erlebt habe, glaube ich zu erinnern. Außerdem verändert sich die Wahrnehmung der eigenen Person: Ich sehe meine Rolle in den Ereignissen in der Regel immer positiver und nehme mich häufig als wichtiger wahr, als dies in der Realität der Fall war. Die eigene Rolle wird überschätzt, vieles Negative wird ausgeblendet und mögliche Fehler, die man selbst gemacht hat, werden manchmal umgedeutet.

Warum ist das so?
Jeder Mensch hat ein Selbstbild. Dieses Selbstbild soll möglichst positiv sein. Deshalb versucht man oft, alles so zu deuten, dass es in dieses Selbstbild passt. Man hat immer den Wunsch, gut vor sich selbst dazustehen. Und so biege ich mir nach und nach meine Vergangenheit so zurecht, dass sie stimmig mit meinem Selbstbild ist.

Ist es dann überhaupt sinnvoll, Zeitzeugen zu befragen?
Ja, das ist durchaus sinnvoll. Man kann im Prinzip Erinnerungen über die ganze Lebensdauer aufbewahren. Aber man muss sehr vorsichtig sein, denn die subjektiven Gedächtniseintragungen über die objektive Realität werden über die Jahre stark verändert. Man sollte schon mehre Quellen befragen, wenn man wissen will, wie es wirklich war.

Reinhard Beyer, Psychologe
Reinhard Beyer, Psychologe
2003: FDJ-Demo in Berlin gegen die Agenda 2010 [Foto: Michael Westdickenberg / flickr]

Ein Bild von einem Bild

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Ein Künstler malte den "Bruderkuss" auf die Mauer. Das Gespür für den rechten Augenblick aber hatte ein anderer. Die Geschichte eines legendären Fotos. mehr …

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Die letzte Kampfreserve

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Totgeglaubte leben länger: Die Freie Deutsche Jugend gibt es immer noch. Inzwischen hat sie sogar Mitglieder im Westen. mehr …

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Arm, aber cool! - Szeneviertel Neukölln?!

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Berlin-Neukölln ist zum neuen Szeneviertel aufgestiegen – was hat das mit dem Mauerfall zu tun? mehr …

kreatives schreiben

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Ich bin dann wohl der Wossi

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Eigentlich hatte ich mich für die Reportagegruppe entschieden, um zu beweisen, dass Ost und West kein so großes Thema ist. Das heute, zwanzig Jahre nach dem Mauerfall, das Ost-West-Raten ein lustiger Partyspaß ist und nicht mehr. mehr …

Vermauerte Häuser in der Bernauer Strasse 1962 [Ulrich_Zimmer-Gedenkstaette Berliner Mauer]

Conrad springt

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Der Vorfall

von Lene Albrecht

Es war, als hätte jemand seinen Kopf durch eine Mangel gepresst, ein dumpfer Schlag, gefolgt von einem Schwindel, die Herrn Zett zu Boden sinken ließ. Er rieb sich die Stirn und fühlte eine Flüssigkeit zwischen den Fingern. Das musste Blut sein, das musste sein Blut sein. Er tastete vorsichtig seinen Kopf nach einer offenen Wunde ab. Und wieder dieser Schwindel. mehr …

absturz_ins_niemalsland

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Anbaendeln auf saechsisch

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Blick auf eine unerreichbare Welt

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28 Jahre, 2 Monate und 27 Tage teilte die Mauer Berlin in zwei Hälften. Viele Menschen in der geteilten Stadt lebten mit dem „antifaschistischen Schutzwall“ direkt vor ihrer Haustür. Beim Blick aus dem Fenster, auf dem Weg zum Einkaufen und zur Schule: Immer hatten sie das Symbol der deutschen Teilung vor Augen. Berliner, egal ob in Ost oder West, verbinden persönliche Geschichten mit der Mauer. Monika Thyen hat Erinnerungen von 3 Zeitzeugen aufgezeichnet. mehr …

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Marihuana, Ecstasy, LSD, Amphetamine und Heroin – kaum ein DDR-Bürger war der Versuchung dieser Drogen ausgesetzt. Die Mauer durch Berlin hielt nicht nur die Menschen im Land, sondern auch die illegalen Suchtmittel draußen. Mit der Währungsunion 1990 kamen Westgeld, Westdrogen und Westdealer. mehr …

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1989 kam das Aus für den Sozialismus – und mit ihm für die berühmt-berüchtigte „Volkspolizei“. Es wurden nicht nur die Wartburgs verschrottet, sondern auch die alten SED-Kader ausgesiebt: Von etwa 12.000 Vopos wurden gerade mal 4.661 übernommen. Und noch sind nicht alle auf Stasi-Verdacht überprüft worden. Ungefähr 1.000 haben dies noch vor sich. Von den ehemaligen Offizieren der Volkspolizei wurde kein einziger in die Berliner Polizei übernommen. mehr …

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Versteckte Machtkaempfe hinter Gittern

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Ostdeutsche Strafgefangene müssen in der Hackordnung der Westgefängnisse ihren Platz finden mehr …

Von Costa Rica bis Washington reicht jetzt die Berliner Mauer

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Ob als Schlüsselanhänger, Vorgartenschmuck oder Mahnmal: Teile des „antifaschistischen Schutzwalls“ sind in alle Welt verkauft worden mehr …

Warten auf das gesamtdeutsche Gelaechter

Warten auf das gesamtdeutsche Gelächter

von Jan Pallokat

Die deutschen Humoristen haben ein ernstes Problem: Ossis und Wessis wollen einfach nicht zusammen lachen. Nur wenige Ausnahmekomiker kitzeln bislang ein gesamtdeutsches Gelächter heraus. Die Potsdamer Loriot-Ausstellung war so ein laut belachter Erfolg eines westlichen Stars. Ostdeutsche Spaßvögel wie Kuttner und Lutz Bertram vom ORB sorgten auch im Westen Berlins für Vergnügen. Bis mit den Stasi-Belastungen der Spaß aufhörte. Die meisten professionellen und privaten Witzbolde aber sprechen immer nur einen Teil der Deutschen an und stoßen beim anderen auf Unverständnis. mehr …

Wenn der Osten gewonnen haette

Was wäre, wenn der Osten gewonnen hätte?

von Jakob Lemke

Es hätte ja auch alles ganz anders kommen können: 3. Oktober 1995. Zum fünften Mal jährt sich der Tag, an dem der deutsche Kapitalismus durch sie Vereinigung niedergeschlagen wurde. Zur Feier des Tages nimmt Erich H. Am Arbeiter-und-Bauern-Damm die gesamtdeutsche Militärparade ab. Ganz Berlin nennt sich jetzt sozialistische Hauptstadt, Fußball-Rekordmeister ist mittlerweile Dynamo Dresden und die bayrischen Kruzifixe wurden zu Hämmern und Sicheln weiterverarbeitet. Das bleibt zwar schwer vorzustellen, aber lassen wir uns um der Geschichte willen einmal darauf ein. mehr …

Wir sind kein Volk

Wir sind kein Volk!

von Silke Stuck

Wir können es nicht mehr hören, sehen, geschweige denn lesen! Allüberall wird nun der vergangenen fünf Jahre gedacht, und wir müssen in vielen Extraseiten, Beilagen oder neudeutsch „Specials“ lesen, wie sehr die deutsche Vereinigung doch schon vollbracht sei. Gewiß, einige Unterschiede räumt das eine oder andere Presseorgan dem deutschen Einheitsvolk dann doch noch ein, aber entschuldigend wird hinzugefügt, daß Preußen und Bayern sich in Wahrheit ja auch nie so richtig leiden mochten. mehr …

Yuppie + Ossi = Yessi

Yuppie + Ossi = Yessi

von Barbara Junge

Am Anfang war alles ganz einfach. Der Wessi war leistungsstark, erfolgsorientiert, modern, weltoffen. Der Ossi eingeschüchtert, störrisch, faul, spießig. Mit diesen Schubläden ließ es sich prima leben und werben, die Langsamkeit der Ossis wurde als besondere Qualität paraphrasiert. Psychologisch geschult, wußten wir auch, mit den Hemmungen der deutschen Brüder und Schwestern umzugehen. Als Zielgruppe waren die Ossis empfindsam, aber empfänglich. Die Ausflüge in den Osten gerieten zu Reisen mit der Zeitmaschine. mehr …

Grenzuebergang Chausseestrasse vermutlich November 1989 [Archiv Versoehnungsgemeinde]

Wie Hannes und ich die DDR ins Wanken brachten

Von Tobias Kaufmann, 23.09.02

Warum die Mauer 1989 wirklich fiel. mehr …

Mein Deutschland – Im Zug

von Tobias Kaufmann, 26.05.06

Es rummst nicht mehr. Statt dessen piept es. Früher bebte der ganze Wagen, wenn die schweren Türen der Schnellzüge zugeworfen wurden. »Rumms!« Heute gleiten die Türen zu und rasten mit einem Schnappen ein. Bahn fahren ist eleganter geworden mit dem ICE, schneller und leiser. Aber ich werde nach wie vor melancholisch dabei, auch heute, auf dem Weg zu einem kurzen Besuch bei meinem Vater. Eine weiche Schwere überfällt mich. mehr …