Die Länge der Mauer betrug am Ende der DDR etwa 156 Kilometer, davon knapp 44 Kilometer zwischen Ost- und West-Berlin und knapp 113 Kilometer zwischen West-Berlin und dem zur DDR gehörenden Umland. Die Grenzsicherungsanlagen bestanden, nachdem sie mehrfach umstrukturiert worden waren, nach Aufzeichnungen der Grenztruppen 1989 aus 42 Kilometer Vorderlandmauer des Typs „Grenzmauer 75“, 58 Kilometer Mauer in Plattenbauweise und 48 Kilometer Streckmetallzaun als letztes Sperrelement gegen West-Berlin hin.
Davor erstreckte sich der Grenzstreifen, der nur von Grenzsoldaten und von anderen Angehörigen des Staatsapparats (hauptsächlich Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit) nur mit Sonderausweis betreten werden durfte. Auf ihm bestand eine 161 Kilometer lange „Lichttrasse“ aus einer Reihe von Leuchtmasten, mit denen der Grenzstreifen ausgeleuchtet wurde, um Flüchtlinge besser erkennen zu können. Auf einem „Kolonnenweg“ bewegten sich die Grenztruppen auf dem Grenzstreifen, der ganz West-Berlin umschloß. An einigen Stellen waren Sperren für Kraftfahrzeuge in die Grenzsicherung integriert. Zur DDR-Seite hin wurde der Grenzstreifen in einer Länge von 116 Kilometern durch einen Signalzaun, der bei Berühren oder Durchschneiden Alarm auslöste, und eine Hinterlandmauer abgeschlossen.
186 Beobachtungstürme und 31 Türme, in denen Führungsstellen der Grenztruppen untergebracht waren, komplettierten die Anlage. In Berlin standen 1989 etwa 45.000 Mauerelemente, davon 29.000 im Innenstadtbereich. Die Mauersegmente waren 3,60 Meter hoch und 1,20 Meter breit, wogen 2.759 Kilo und hatten die DDR – ohne den Anstrich und die Rohre der Mauerkrone – 856 Mark der DDR pro Stück gekostet. 25 Grenzübergangsstellen bestanden in Berlin, davon 13 Straßenübergänge, 4 Kontrollstellen an Schienenwegen und 8 weitere an Wasserstraßen.
Ohne die dort stationierten und mit Schußwaffen ausgerüsteten Soldaten der Grenztruppen wäre die Berliner Mauer allerdings relativ leicht zu überwinden gewesen. Dem Grenzkommando Mitte, das in Karlshorst angesiedelt war und die Grenztruppen an der Berliner Mauer befehligte, gehörten im Februar 1989 insgesamt 11.504 Grenzsoldaten, darunter 1 General und 1.276 Offiziere, und 503 Zivilbeschäftigte an.
Gerhard
Sälter
Dezember 2006
Interdisziplinäres Forschungsprojekt durchleuchtet die Berliner Mauer in all ihren Facetten
Im Mai 2009 hat das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz seine Publikation „Die Berliner Mauer –Vom Sperrwall zum Denkmal“ präsentiert und damit ganz neue Einblicke in die als „Berliner Mauer“ weltweit bekannt gewordenen Sperranlagen, möglich gemacht. Während die DDR-Führung die Mauer rund um West-Berlin errichten ließ, um die Fluchtbewegung ihrer eigenen Bürger nach Westen zu unterbinden, ist das Thema „Berliner Mauer“ indes unendlich facettenreich. Die Publikation, dessen Texte auf www.mauergeschichte.de nun auch digital nachzulesen sind, entstand aus dem interdisziplinären Forschungsprojekt „Die ‘Berliner Mauer’ als Symbol des Kalten Krieges: vom Instrument der SED-Innenpolitik zum Baudenkmal von internationalem Rang“. Finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft läuft dieses Projekt bis Ende 2010. 2011 soll das Gesamtergebnis in einer mehrbändigen Publikation vorgestellt werden.
Unter der Leitung von Professor Dr. Leo Schmidt (Lehrstuhl Denkmalpflege der BTU Cottbus) Manfred Wilke (Institut für Zeitgeschichte, München/Berlin) und Winfried Heinemann (Militärgeschichtliches Forschungsamt, Potsdam) setzen sich die Texte mit den politischen Entscheidungen, die zur Errichtung der Mauer, ihren Entwicklungen und Veränderungen zwischen 1961 und 1989 und dem immer noch nicht beendeten Abbau der Mauer führten. In den folgenden Artikeln werden die baulichen Strukturen sowie die noch erhaltenen Reste und Spuren ebenso analysiert, wie die Zusammensetzung und das Funktionieren der Grenztruppeneinheiten, die die Grenze bemannten. Geklärt werden soll auch die Frage nach der öffentlichen Wahrnehmung der Mauer als Grenzbefestigung, die bis 1989 als negatives und bedrohliches Bollwerk wahrgenommen wurde und nach ihrem Fall im November 1989 zum weltweiten Symbol der Befreiung wurde.
Die Publikation "Die Berliner Mauer - Vom Sperrwall zum Denkmal" kann unter www.dnk.de bestellt werden.
